Seit 25 Jahren sagt Sven Plöger den Deutschen das Wetter an. Der TV-Meteorologe liefert aber nicht nur in zahlreichen ARD-Sendungen wie „Wetter vor acht“ oder den „Tagesthemen“ die Prognose für die nächsten Tage, sondern ist auch als Experte zum Thema Klimawandel gefragt. Für die Dokumentation „Wie extrem wird das Wetter, Sven Plöger?“ (Montag, 15. April, 20.15 Uhr, ARD) war er an Bord eines Forschungsschiffs vor Panama unterwegs, um das Phänomen El Niño und den Zusammenhang mit der Erderwärmung zu ergründen.

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Herr Plöger, seit 25 Jahren moderieren Sie „Das Wetter im Ersten“. Wissen Sie noch, welches Wetter an Ihrem ersten Tag war?

Nein, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber eines weiß ich noch: Ich wurde damals dem Sender mit den Worten angepriesen: „Er sieht zwar scheiße aus, aber er kann reden.“

Inzwischen sind Sie ein gefragter Vortragsredner zu Klimafragen, schreiben Bücher, drehen TV-Dokus. Ahnten Sie 1999 schon, dass der Klimawandel so ein enormes Thema werden wird?

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Ehrlich gesagt: ja. Der Sturm „Lothar“ 1999 war mein Schlüsselerlebnis, da habe ich Windböen bis zu 180 Kilometer pro Stunde erlebt. 2002 habe ich angefangen, mich mit Vorträgen auf das Thema zu kaprizieren. Was ich vor 25 Jahren nicht geahnt habe, ist, dass es trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der spürbaren Veränderungen heute immer noch Kräfte in der Gesellschaft gibt, die den Klimawandel leugnen. 3 bis 6 Prozent, das haben Untersuchungen ergeben, sind Klimaforschungsleugner. Und die kriegen medial leider zu viel Raum, um ihren Unfug zu verbreiten.

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Wie bewerten Sie die Aktionen von Klimaaktivisten wie der Letzten Generation?

Ich verstehe jeden jungen Menschen, der sich Sorgen macht über seine eigene Zukunft und sich fragt: Was kann ich tun? Aber ich denke, dass es Wege gibt, die zielführender sind als zum Beispiel Straßenblockaden. Wir müssen Lust auf Transformation machen, auch bei Leuten, die vielleicht bräsig zu Hause rumsitzen und am liebsten gar nichts ändern wollen.

Ihre neue Dokumentation befasst sich mit El Niño. Was ist an diesem Phänomen im pazifischen Ozean so brisant, dass ihm eine Doku zur besten Sendezeit gewidmet wird?

El Niño ist ja prinzipiell ein natürliches Phänomen, eine Anomalie, die zu sehr viel warmem Oberflächenwasser im Pazifik führt. Wir stellen die Frage, ob sich dieses Phänomen durch die Klimaerwärmung verändert. Wir hatten 2023 auch in anderen Ozeanen extrem hohe Wassertemperaturen, hinter denen nicht El Niño steckte, sondern der Klimawandel. Beides zusammen hat so viel Energie in die Atmosphäre transportiert, dass wir ein extremes Unwet­ter­jahr erlebt haben. Die Wärme des Wassers ist etwas, das Unwetter regelrecht triggert.

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Welche Gefahr droht von dem Ereignis für Mitteleuropa?

Die Folgen in Mitteleuropa sind die geringsten, deshalb waren wir ja auch nicht hier unterwegs, sondern im stark betroffenen Panama. Dort herrscht im Moment eine große Dürre, weil es wegen El Niño in der ansonsten regenreichen Region weniger Niederschläge gibt. Diese Trockenheit führt dazu, dass Wasser für die Schiffspassage durch den Panamakanal fehlt. Normalerweise kommen da täglich an die 40 Schiffe durch, jetzt sind es nur 18 – immer mehr Schiffe stehen im Stau, und plötzlich ist die globale Lieferkette behindert.

PRODUKTION - 25.10.2023, Bayern, Essenbach: Das Kernkraftwerk Isar 2. (zu dpa: «Ein Jahr nach Atomausstieg: Rückbau von Isar 2 kann beginnen») Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Geben Sie der Kernenergie noch eine Chance, Professor Burger?

Am 15. April 2023 wurden die letzten drei deutschen Kernkraftwerke stillgelegt. Konnte die Lücke bei der Stromerzeugung seitdem vollständig geschlossen werden? Der Forscher und Ingenieur Bruno Burger spricht im RND-Interview über Fakten und Fiktionen der Energiewende.

Die Sendung heißt „Wie extrem wird das Wetter, Sven Plöger?“. Wie lautet die Antwort?

Die Antwort auf diese Frage hängt maßgeblich von unserem Verhalten ab. Wenn wir das Thema weiterhin nur diskutieren, aber beim Handeln vieles ignorieren, wird es kein gutes Ende nehmen. Wenn wir aber als Gesellschaft bereit sind, Dinge zu verändern, können wir viel mehr bewirken, als wir denken. Dann können wir auch vieles für nachfolgende Generationen verbessern, und darauf kommt es an.

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Vorträge, Bücher, Dokumentationen – bleibt Ihnen da überhaupt noch Zeit für die Wettervorhersage im Ersten?

Ich sage in letzter Zeit immer, dass der Wetterbericht „nur noch“ eine Art Hobby für mich ist – aber eines, das mir große Freude macht. Eine Prognose zu erstellen und sprachlich gut zu vermitteln, das sind spannende Herausforderungen. Ich finde es auch sehr wichtig an Tagen, an denen Unwetter sind, diese richtig einzuordnen. Natürlich ist es schlecht, zu wenig zu warnen. Aber zu häufig zu viel zu warnen könnte zur Abstumpfung beim Zuschauer führen, und das ist gefährlich.



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