Salz/Bad Neustadt an der Saale – Den allerletzten Kasten Bier, den wird Herbert Brust (60) für sich reservieren. Aber nicht, um ihn ins Regal zu stellen und als Andenken verstauben zu lassen. “Den werde ich schon noch selber trinken”, sagt der Firmeninhaber der Brauerei Karmeliter-Bräu aus Salz. Die Gemeinde bei Bad Neustadt an der Saale im Kreis Rhön-Grabfeld liegt rund 20 Kilometer von Bad Kissingen entfernt.

670 Jahre in Betrieb: Unterfränkische Brauerei macht dicht

Man spürt im Gespräch, dass es dem Brauerei-Chef nicht leicht fällt, dass er sich aber mit der Entscheidung mittlerweile arrangiert und abgefunden hat: Der unterfränkische Betrieb wird im Juni nach über 670 Jahren eingestellt.

Der 60-Jährige ist aktuell viel beschäftigt, hat viel zu regeln. Als die AZ mit ihm telefoniert, steht die Demontage der Füllerei an. Brust nimmt das Ende pragmatisch, man müsse das innerlich abhaken. “Das ist natürlich nicht schön. Aber ich habe keine Lösung für die Nachfolge innerhalb der Familie gefunden.” Er hat auch außerhalb nach einem Nachfolger gesucht. Ganze fünf Jahre lang. Mithilfe mehrerer Vermittler. Letztlich ohne Erfolg.

Herbert Brust vor der Flaschenreinigungsmaschine - auch diese wird verschrottet.
Herbert Brust vor der Flaschenreinigungsmaschine – auch diese wird verschrottet.
© privat
Herbert Brust vor der Flaschenreinigungsmaschine – auch diese wird verschrottet.

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Brauereien in der Krise? “Die Branche steht unter immensem Kostendruck”

2019 habe die Situation noch erfolgversprechend ausgeschaut, es gab Interessenten. Dann kam Corona, die Suche gestaltete sich schwieriger. “Seit der Ukraine-Krise ist es quasi unmöglich, noch jemanden zu finden, der das Gewerbe so weiterführen will, weil die Branche unter immensem Kostendruck steht und dementsprechend am Ende des Tages nicht viel übrig bleibt”, fasst es Brust zusammen.

“Die letzten beiden Interessenten haben letztes Jahr im Winter abgesagt, dann musste ich eine Entscheidung treffen.” Und die besiegelte das Ende einer Jahrhunderte langen Tradition.

An der leerstehenden Villa mit der Adresse Neuburger Straße 8 lässt sich mit großem Staunen auch sehen, wie schnell und umfänglich sich die Natur alles Menschengemachte wieder zurückholen kann. Seit Jahren steht ein Baucontainer am Schmuckstück, aber es passiert nichts.

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Karmeliter-Bräu zu Bad Neustadt-Salz: Mönche begründeten Brau-Tradition im Jahr 1352

Auf der Brauerei-Seite ist die Historie nachzulesen: “Die Karmeliter-Bräu zu Bad Neustadt-Salz in der herrlichen Rhön ist eine der ältesten Brauereien Bayerns. Weit reichen die Wurzeln des Klosters zurück bis ins frühe Mittelalter.” Im Jahr 1348 wurde demnach mit dem Bau eines Klosters begonnen, 1352 war es fertig. Hintergrund war ein Gelöbnis, sollte “Neustadt von der damals in ganz Europa hausenden Pest verschont” bleiben.

So kam es tatsächlich und das Kloster wurde zu Ehren der “Frau vom Berge Karmel” errichtet, wird erklärt. Die Mönche im Kloster begründeten die Brau-Tradition. Auf dem Logo ist noch heute ein Mönch zu sehen und die Jahreszahl 1352.

Premiumbiere werden billig “verramscht”

“Seit über 650 Jahren wird nun hier fernab der großen Städte, eingebettet in die wundervolle Natur der Rhön, ein klassisches Klosterbier gebraut”, heißt es auf der Seite. Seit 1923 ist die Brauerei in Besitz der Familie von Herbert Brust.

Er habe zunächst überlegt, ob er selbst doch noch weitermachen sollte. Aber es gingen nun auch langjährige Mitarbeiter in Rente. Geeignetes Personal als Ersatz für Jahrzehnte lang eingespielte Mitarbeiter zu finden, beschreibt er als ebenfalls schwierig.

7000 bis 8000 Hektoliter Bier produzierte die Brauerei im Jahr. “Übersichtlich” nennt er das. Zum Vergleich: Insgesamt belief sich der Absatz der bayerischen Braustätten im vergangenen Jahr (trotz rückläufiger Verkaufszahlen) auf 23,4 Millionen Hektoliter.

Konkurrenz hat es im Bierland Franken schon immer gegeben. “Früher hatte man die Konkurrenz in Form der Betriebe um die Ecke. Jetzt hat man es mit Konkurrenz zu tun, die Tausend Mal größer ist als man selber”, sagt der Diplom-Braumeister. Große Mitkonkurrenten und ständige Preisaktionen, bei denen “Premiumbiere für um die zehn Euro verramscht” werden, machen kleineren Betrieben das Leben schwerer.

Seine Einschätzung für die Zukunft: “Da gehen noch viele kleine Betriebe als Kollateralschäden zugrunde, weil es nur den wenigsten gelingen wird, ihre Kosten und die Erlöse halbwegs so im Griff zu haben, um am Schluss noch ein Betriebsergebnis zu haben, das zum Weitermachen animiert.”

Dank an alle Kunden und Mitarbeiter

Was sich für ihn persönlich verändern wird: Wenn der Betrieb bald schließt, werde er auch mal übers Wochenende oder eine Woche im Sommer wegfahren können. Das war als Brauerei-Chef die Jahre zuvor nicht problemlos möglich.

Man sei am Wochenende mehr oder weniger rund um die Uhr in Bereitschaft gewesen, wenn etwa Kunden für eine Veranstaltung noch etwas gebraucht hätten. “Der Kunde war immer König.” Diese hätten allesamt bedauert, dass die Brauerei schließt, so Brusts Fazit. Aber auch Verständnis und gute Wünsche habe er bekommen. Deswegen ist es ihm wichtig, sich ausdrücklich bei den Kunden und Freunden des Hauses zu bedanken, ebenso bei seinen Mitarbeitern, die ihm “ausnahmslos bis zum Schluss” die Treue gehalten hätten.

Wann stellt Karmeliter-Bräu den Verkauf ein?

Bis Mitte Juni wird der Verkauf voraussichtlich noch laufen. Sein Inventar fürs Bierbrauen wird er nicht weiterverkaufen können. “Vieles wandert direkt in den Schrott, was vergangene Woche noch funktioniert hat. Das ist schon ein bisschen bitter.” Die Anlagen seien zwar alt, aber aufgrund weniger Betriebsstunden in gutem Zustand gewesen. Dennoch fand er dafür niemanden.

Immerhin noch eine gute Nachricht zum Schluss: Die Marke Karmeliter-Bräu wird nicht verschwinden, ein Interessent will diese weiterführen.

Brauereien: Die Entwicklung in Bayern

Wie das Bayerische Landesamt für Statistik auf Basis der Biersteuerstatistik darlegt, wurden im Jahr 2023 insgesamt 622 Braustätten im Freistaat betrieben, das waren fünf Brauereien weniger als im Vorjahr (2022: 627). Die Bundesländer mit den höchsten Rückgängen bei den Braustätten seit 2019 sind nach Auskunft des Deutschen Brauer-Verbands mit Stand März 2023 Bayern (minus 24), Nordrhein-Westfalen (minus 14) und Hessen (minus zehn).





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