Martin Harnik im FOCUS-online-Interview: Ex-HSV-Star dämpft Aufstiegshoffnung: „Es ist Ernüchterung eingekehrt“

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Martin Harnik ist ein echter Hamburger Junge und spielte zum Abschluss seiner erfolgreichen Karriere selbst für den Hamburger SV. Vor dem Zweitliga-Topspiel zwischen dem Tabellenführer Holstein Kiel und dem HSV (Tabellenvierter) gibt der frühere Nationalspieler Österreichs (68 Einsätze/15 Tore) im FOCUS-online-Interview eine Einschätzung für den Aufstiegskampf ab.

Der Hamburger SV empfängt Holstein Kiel – ein Knallerspiel in der zweiten Liga. Die Kieler liegen mit 59 Punkten bereits neun Zähler vor den Hamburgern, die ihrerseits auch schon drei Punkte hinter den Drittplatzierten Düsseldorfern postiert sind. Der Tabellenvierte aus der Hansestadt braucht dringend die drei Punkte, um noch auf die direkten Aufstiegsplätze schielen zu können.

Ex-Bundesliga-Star Martin Harnik wird das Geschehen am Samstagabend (20.30) als Experte auf Sport1 im Free-TV begleiten. Harnik selbst war in erster Linie in der Bundesliga aktiv (240 Spiele/66 Tore), aber ebenso in der 2. Liga (83/33). Der 36-Jährige verfolgt das Geschehen im Unterhaus genau – und gibt für den HSV keine gute Prognose ab. 

Martin Harnik im FOCUS-online-Interview: „Für den HSV geht es um fast alles“

 

FOCUS online: Herr Harnik, wie sehr freuen Sie sich auf die Partie im Volksparkstadion?

Martin Harnik: Wettertechnisch hätte ich es mir etwas milder gewünscht, es wird sicherlich etwas ungemütlich. Aber die Partie hat einiges zu bieten. Es treffen zwei Top-Mannschaften der Liga aufeinander. Es geht um sehr, sehr viel. Für den HSV geht es fast schon um alles. Sie brauchen den Sieg, um weiter Druck auf Fortuna Düsseldorf aufzubauen. Kiel könnte wiederum bei einem Erfolg schon für die Bundesliga planen. Da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Kieler noch von einem der beiden vorderen Ränge abrutschen. Ich erwarte ein Spiel mit offenem Visier – vor allen Dingen vom HSV. 

Befindet sich Holstein Kiel schon in einer Luxussituation, weil sie nicht volles Risiko gehen müssen?

Harnik: Auf jeden Fall, Kiel kann und wird befreit aufspielen. Sie können auch tabellarisch mit einem Unentschieden sehr gut leben und haben zudem den Lauf auf ihrer Seite. Sie sind im Flow und haben eine absolut positive Grundstimmung im Verein. Der große Druck herrscht nicht, weil der Verein nicht zum Aufstieg verdammt ist. Natürlich hat jeder Spieler in der jetzigen Situation das große Ziel vor Augen und will es unbedingt erreichen. 

Harnik: Mannschaften wie der HSV haben mehr Potential als Kiel, aber…

 

Wurden die Kieler von der Konkurrenz auch lange Zeit unterschätzt?

Harnik: Vereine wie Kiel und auch St. Pauli haben einfach einen riesigen Vorteil. Diese Mannschaften geben das Ziel Aufstieg nie vor der Spielzeit nach außen, sondern kommunizieren es höchstens intern. Anders läuft es bei großen Vereinen in der Liga wie dem HSV, Schalke, Hertha, Hannover und Düsseldorf. Diese Mannschaften haben eigentlich mehr Potential als Kiel und St. Pauli. Dementsprechend ruhig und unaufgeregt können Kiel und St. Pauli auch bei Rückschlägen weiterarbeiten. 

 

Sie selbst wohnen in Hamburg. Hat sich die Stimmung im Laufe der Spielzeit rund um den HSV gedreht? Bei einem Nicht-Aufstieg würde bereits das siebte Zweitligajahr anstehen…

Harnik: Es ist eine leichte Ernüchterung eingekehrt. In den vergangenen Jahren erschufen Tim Walter (Anm.d.Red.: Ex-Trainer HSV von 2021-2024) und Jonas Boldt (Sportvorstand) eine sehr große Identifikation mit dem Verein. Es wurde auch attraktiver Fußball gespielt. Die Zuschauerzahlen und die Unterstützung sprechen auch dafür. 

Mit der Verpflichtung von Steffen Baumgart wurde nochmals ein Hype ausgelöst. Doch die Ergebnisse waren nicht so vielversprechend. Dennoch ist die Unterstützung riesig, allerdings ist die Stimmung nun etwas abgeflacht. Jetzt ist die Frage, ob dieses Feuer die letzten Spieltage der Saison noch einmal entfacht werden kann. 

Harnik: Baumgart-Verpflichtung löste Hype aus – allerdings fehlen die Ergebnisse

 

Dabei steht Baumgart doch genau für diese Tugenden: Er sollte mit seiner Power den HSV zum Klassenerhalt tragen… 

Harnik: Man kann den Jungs nicht absprechen, dass sie nicht wollen oder kämpfen. Mir fällt aber auf, dass viele Spieler kein Selbstbewusstsein auf den Platz. Es wird sich nicht gezeigt und es werden sich auch keine Fehler zugetraut. Man spielt sehr mutlos, viele haben Angst vor Fehlern. Wenn sich die Spieler keine Fehler zutrauen, kann auch nichts Großes entstehen. 

An diesen Stellen muss das Trainerteam ansetzen. Das Team braucht eine breite Brust. Das ist unter Baumgart bisher ausgeblieben. Wobei ausgerechnet das letzte Spiel in Magdeburg gezeigt hat, dass sie es können. Da standen sie allerdings auch schon mit dem Rücken zur Wand und hatten nichts mehr zu verlieren. 

Würden Sie sich wünschen, dass gewisse Spieler auf dem Spiel auch mehr Verantwortung übernehmen?

Harnik: Das Spielerische hängt nicht allein von den Führungsspielern ab. Jeder Spieler muss seine Qualitäten auf den Platz bringen und seinen Job machen. Beispielsweise sind Sebastian Schonlau und Jonas Meffert nicht dafür verantwortlich, den Spielaufbau zu machen. Sie sollen Stabilität ins Spiel bringen. Die Aufgabe der Offensive ist es hingegen, die Bälle zu fordern und Lösungen zu finden. Das Spiel des HSV ist im Ganzen zu unkreativ. Da fehlt mir der Mut. 

Jonas Boldt hat vieles rund um den Verein geschaffen und den HSV auch gesundet. Muss dennoch nach dem nächsten verpassten Aufstieg vieles noch einmal überdacht werden?

Harnik: Es hat eine große Identifikation mit der Mannschaft und dem Verein geschaffen. Das ist auch Boldts großer Verdienst. Aber am Ende wurde das große Ziel jedes Jahr verpasst. 

Harnik über mögliche Funktionärskarriere im Fußball: „Sollte niemals nie sagen“

Glauben Sie noch daran, dass der HSV der Aufstieg gelingt?

Harnik: Ich würde es mir definitiv wünschen. Ich glaube aber nicht, dass die drei Vereine vor dem HSV noch wirklich patzen und viel liegen lassen. Das sehe ich leider nicht. 

Könnte dennoch auch ein neuerlicher Anlauf mit Baumgart gelingen?

Harnik: Die Zeit muss man ihm absolut geben. Man sollte mit ihm weitermachen. Alles andere wäre Quatsch. Zudem hat er zum ersten Mal eine Vorbereitung mit der Mannschaft. Dennoch hätte ich auch erwartet, dass die Ergebnisse von Beginn an besser sind – und er selbst sicherlich auch. 

Sie selbst sind als Unternehmer, Podcaster und Experte aktiv. Könnten Sie sich vorstellen, perspektivisch in eine Funktionärsrolle in den Profifußball zurückzukehren?

Harnik: Ich fühle mich derzeit in meiner Rolle schon sehr wohl in der Selbständigkeit. Ich kann meine Zeit sehr flexibel einteilen. Aber dennoch merke ich, dass ich wieder deutlich mehr Fußball schaue und auch sehr daran interessiert bin. Man sollte niemals nie sagen. Aber dennoch kann ich es mir derzeit nicht vorstellen. 

Martin Harnik, vielen Dank für das Gespräch!

juw





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