Nach den zwei Tagen Dauerregen am Freitag und am Samstag wird München am Montag weiter mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein. Die Unwetterwarnung der Stufe drei, die der Deutsche Wetterdienst am Donnerstag ausgegeben hatte, ist am Sonntagmorgen um 8 Uhr ausgelaufen. Zwischen Freitag, 18 Uhr und Samstag, 18 Uhr, fielen in der Landeshauptstadt 83,2 Liter Regen pro Quadratmeter, wie die Aufzeichnung des Hochwassernachrichtendienstes zeigt. In 48 Stunden fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sogar 110,4 Liter pro Quadratmeter. Die Hochwassermeldestufe wurde gegen Sonntagmittag von 2 auf 1 zurückgesetzt, nachdem der Pegel der Isar auf unter drei Meter gefallen war. Am Montagmorgen lag der Wasserstand bei etwa 2,60 Meter. Insgesamt entspannte sich die Lage in der Stadt.

Der Bahnverkehr von und nach München war auch am Montagmorgen (Stand: 8 Uhr) immer noch massiv betroffen: So kann der Fernverkehr die Stadt von Norden und Westen nicht anfahren, wie die Bahn auf ihrer Störungsseite mitteilt. Auch mehrere Regionalstrecken sind auf einzelnen Abschnitten beeinträchtigt. So sind auf der Strecke zwischen München und Ingolstadt aufgrund eines Dammbruchs in Baar-Ebenhausen und eines defekten Stellwerks keine Zugfahrten zwischen Ingolstadt Hbf und Rohrbach (Ilm) möglich. Züge aus Richtung München enden vorzeitig in Rohrbach beziehungsweise Pfaffenhofen. Züge aus Treuchtlingen und Nürnberg wenden vorzeitig am Hauptbahnhof in Ingolstadt. Zwischen Ingolstadt und München-Flughafen Besucherpark verkehrt ein Ersatzverkehr mit Direktbussen. Die Bahnhöfe Baar-Ebenhausen, Rohrbach, Pfaffenhofen und Petershausen sind aufgrund von Hochwasser mit Ersatzbussen nicht anfahrbar.

Auf der Strecke von München nach Landshut und Regensburg muss mit erheblichen Verspätungen von bis zu 40 Minuten und kurzfristigen Zugausfällen gerechnet werden – aufgrund von Vegetation im Gleisbereich sei zwischen Eggmühl und Neufahrn nur eingleisiger Zugbetrieb möglich, teilt die Bahn mit. Der Zugverkehr auf der Strecke Landshut und München-Flughafen beziehungsweise München-Hauptbahnhof wurde zwischenzeitlich wieder aufgenommen.

Nach Erdrutschen zwischen Baierbrunn und Ebenhausen sowie zwischen Icking und Ebenhausen wurde die S-Bahn-Strecke der S7 zwischen Wolfratshausen und Höllriegelskreuth gesperrt. Die Reparaturen dürften der Bahn zufolge bis Dienstag andauern. Nach Angaben der Bahn kommt es zu Zugausfällen, ein Ersatzverkehr mit Taxis pendelt zwischen Höllriegelskreuth und Wolfratshausen.

Münchner Feuerwehr im Dauereinsatz

In München ist die Feuerwehr seit Samstagmorgen im Dauereinsatz. Von Samstag, 0 Uhr, bis Montagmorgen wurden Berufsfeuerwehr und Freiwillige nach Angaben eines Sprechers im Stadtgebiet zu etwa 500 Einsätzen gerufen. „Wir sind nach wie vor dabei, Einsätze abzuarbeiten“, sagt er der SZ. Nach wie vor sind es demnach vor allem Wassereinbrüche in Gebäude, zu denen die Helfer gerufen werden. Teils drückte Grundwasser in die Häuser, teils liefen Keller durch Starkregen voll. Besonders betroffen sind dem Sprecher zufolge die Stadtteile Au, Moosach, Feldmoching, Allach und Untermenzing. Von einer wirklichen Entspannung der Lage wollte der Sprecher im Moment noch nicht reden, da es jetzt wieder zu regnen angefangen habe. Im Vergleich zur Situation in einigen anderen bayerischen Gemeinden sei es München aber ohnehin nicht so dramatisch.

Durch den aufgeweichten Boden waren in der Stadt vereinzelt auch Bäume umgestürzt. Am Montgelasberg in Bogenhausen war am Samstagabend ein großer Baum auf die Tram-Oberleitung gestürzt, außerdem musste die Feuerwehr einen ebenfalls sturzgefährdeten Baum abtragen. Die Montgelasstraße war während der rund fünf Stunden dauernden Arbeiten komplett gesperrt. Die Leitung ist inzwischen repariert, der Verkehr läuft dort normal.

Die Sperrungen an der Isar bleiben zunächst. (Foto: dpa)

Um 18 Uhr am Samstag hatte die Isar mit 3,01 Metern die Meldestufe 2 überschritten. Der Pegel-Höchststand lag Samstagnacht bei 3,29 Metern. Der Deutsche Wetterdienst rechnete bis Montag zwar nicht mehr mit Dauerregen, aber mit Schauern, die noch mal 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter bringen könnten. Die Regenmenge am Wochenende nannte ein Sprecher am Sonntag „außergewöhnlich“, das komme nicht so oft vor. Welche Auswirkungen neue Regenfälle auf das Hochwassergeschehen haben könnten, war nicht abzusehen.

Am Uferbereich der Isar besteht weiterhin Lebensgefahr

Die Sperrungen an der Isar allerdings bleiben zunächst: Der Radweg zwischen Thalkirchner Brücke und Reichenbachbrücke ist gesperrt. Auch der Flauchersteg und der Marienklausensteg sind dicht. Die Feuerwehr warnt: Am Uferbereich besteht weiterhin Lebensgefahr.

In der Stadt standen Straßen zeitweise unter Wasser, darunter auch der Mittlere Ring an der Landshuter Allee und an der Brudermühlstraße. Die Strecken wurden gesperrt, wann sie wieder normal befahrbar sind, konnte die Polizei am Sonntag nicht sagen. Zumindest an der Landshuter Allee wurde am Sonntag ein Fahrstreifen wieder freigegeben. Daneben hatte die Polizei zum Wettergeschehen kaum etwas zu melden – einige kleinere Verkehrsunfälle, das war alles.

Einige Spaziergänger näherten sich vorsichtig dem Fluss (Foto: Robert Haas)

Am Flughafen in München war die Lage am Wochenende überwiegend entspannt – Sorge vor größeren Überflutungen hatte man nach Angaben eines Sprechers nicht. Denn bereits beim Bau des Flughafens sind viele Kanäle rund um das Gelände gebaut worden, die auch große Wassermengen aufnehmen können. Auch sei das Grundwasser auf dem Gelände schon damals abgesenkt worden, so der Sprecher. Die Start- und Landbahnen fallen zudem an den Seiten leicht ab und sind „gegroovt“ – das bedeutet, dass Querrillen in die Bahnen gefräst sind. Beides sorgt dafür, dass auch große Regenmengen nicht zu Aquaplaning bei den Flugzeugen führen. Größere Sorgen machten der Verkehrsleitung am Sonntag allerdings heranziehende Gewitter sowie überflutete Straßen und Autobahnen rund um den Flughafen. 

Der Regen im Stadtgebiet München wird großteils über die Kanalisation abgeleitet und gelangt so in die beiden Klärwerke Gut Großlappen und Gut Marienhof. Ein weiterer Teil versickert in der Erde und gelangt ins Grundwasser – das gelingt in der Stadt besonders gut, weil München auf kiesigem Untergrund gebaut ist, in den das Wasser leicht eindringen kann. Erst wenn die Kapazitäten der Kanalisation an ihre Grenzen gelangen, kommen Rückhalteeinrichtungen zum Einsatz, in denen das Wasser vorübergehend gespeichert wird. Davon gibt es im Stadtgebiet 14 Stück mit einer Kapazität von 703 000 Kubikmetern, das sind 703 Millionen Liter – man könnte in ihnen also den Bierverbrauch von 140 Oktoberfesten unterbringen. Ob und in welchem Ausmaß die Rückhaltebecken am Wochenende zum Einsatz kamen, war am Sonntag nicht zu erfahren.

Zuletzt hatte es in München nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes im Mai 2019 sehr viel geregnet. Am 20. Mai des Jahres zeichnete der Deutsche Wetterdienst einen 24-stündigen Messwert von 71,2 Liter pro Quadratmeter auf. Die größte aufgezeichnete Menge in der jüngeren Geschichte gab es während des Zweiten Weltkriegs: Am 30. Mai 1940 wurden 155,2 Liter Regen pro Quadratmeter in München gemessen.



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